Ayurveda, Yoga und Gesundheit

YH Nr. 56 (Quelle: www.satyananda-yoga.de)

Yogis haben eine ganz bestimmte Sicht- und Vorgehensweise, wenn sie Störungen im menschlichen Leben entdecken. Sie lassen sich leiten von uralten Ge­setzen, die schon in den ältesten Schriften der Menschheit zu finden sind: den Ve­den. Diese „heilige Lehre“ ist viele tausend Jahre alt. Veda bedeutet Weisheit oder Wissen und es gibt vier große Veden: Rig Veda, Sama Veda, Yayurveda und Atharva Veda. In diesen Gesetzen finden wir ein Grundmuster, was allen alten Weisheitslehren ähnlich ist, und die­ses Muster möchte ich in einem stark vereinfach­ten Modell herausar­beiten.

Ayurveda und Samkhya

Ayurveda wird als Upaveda, als Zu­satz zum Atharva Veda, angesehen und ist eng verwandt mit der Sankhya Philosophie. Sankhya ist eine der sechs großen Philosophien Indiens.
Ayurveda, „das Wissen, die Wissen­schaft vom langen Leben, von der Gesundheit“, gilt als altes naturheil­kundliches System Indiens. Es basiert auf dem System der drei dynamischen Prinzipen, der Doshas, die mit den drei Grundeigenschaften des Materie-Prinzips (Prakriti) in Verbin­dung gebracht werden, den drei Gunas: Tamas, Rajas und Sattva.

Das Modell, welches ich beschreiben möchte, besteht aus fünf Grundprin­zipien:

  • Das erste Prinzip lautet:
    Was außen ist, ist auch innen. Der Makrokosmos – die Welt, und der Mikrokosmos – der Mensch, sind eins.
  • Das zweite Prinzip lautet:
    Der Kosmos sowie der Mensch bauen sich aus verschiedenen Elementen auf. Laut Sankhya und Ayurveda sind das die folgenden 24 Elemente: Purusha (als höchstes Bewußtsein) – Prakriti (als Urnatur, Energie) – Ma­hat Tattwa oder Buddhi (als höhere Erkenntnis) –  Ahamkara (das Ego oder das Ichbewusstsein) – fünf Janen­driyas (Sinnesorgane)- fünf Karmen­driyas (Handlungsorgane) – fünf Tan­matras (Geruch, Geschmack, Laut, Tasterlebnis, Farbe/Form) – fünf Tattwas (Äther, Luft, Feuer, Wasser, Erde)
  • Das dritte Prinzip lautet:
    Gleiches wird durch Gleiches ver­stärkt. (Als Beispiel: Ich verbrenne mir die Hand. Gehe ich mit der ver­brannten Hand in die Sonne, verstärkt sich der Brand).
  • Das vierte Prinzip lautet:
    Nahrung ist Medizin und Medizin ist Nahrung.
  • Das fünfte Prinzip lautet:
    Alles, was den Körper berührt, berührt auch das Bewußtsein mit Gedanken und Gefühlen und umgekehrt.

Diese fünf Grundprinzipien sollen nun näher erläutert werden:

Zu 1.: Was außen ist, ist auch innen. Der Makrokosmos – die Welt, und der Mikrokosmos – der Mensch, sind eins.

Der Kosmos wird als eine Ansamm­lung von verschiedenen Energiefor­men betrachtet, beginnend mit so feiner Energie, dass wir sie weder sehen noch mit Instrumenten messen können, bis zu unserem Körper als feste Materie und darüber hinaus zu gröbster Materie wie Steine und Fel­sen.
Energie und Materie sind auswechsel­bar, umwandelbar, was auch im We­sten seit Einstein und Heisenberg bekannt ist. Alles, was außerhalb von uns ist, wird als der Makrokosmos bezeichnet, was innerhalb von uns ist, als Mikro­kosmos. Der Mikrokosmos ist die menschliche Gestalt, – auf grober Ebene der Körper mit Kno­chen, Or­ganen, Zellen, Muskeln und der Haut als äußerer Abgrenzung -, dann feiner werdend unser Energie­körper, den wir noch gut wahrnehmen können, dann unsere alltäglichen Ge­fühle und Ge­danken.
Darüber hinaus gibt es noch feinere Ebenen, die durch die Yoga­übung allmählich freigelegt werden und die letztlich zu unserer wah­ren Es­senz vordringen. In Yoga sind das die ver­schiedenen Hüllen oder Koshas, sie umhüllen unser tiefstes, eigentliches, wahres Sein. (Annamayakosha – die Nahrungshülle, Pranamayakosha – der Energiekörper, Manomayakosha – die Hülle aus Ge­danken und Gefüh­len, Vijnanamaya­kosha – die Hülle der Intuition, der höheren Eingebung, Anandamaya­kosha – die Hülle der Glückseligkeit).
Eine Störung der Harmonie beginnt nicht am äußeren Ende, im Körper, sondern in der feinsten Energieform, und sie schlängelt sich ganz allmäh­lich, oft über einen sehr langen Zeit­raum von Jahren, sogar Jahrzehnten, nach außen bis zur äußeren Körper­hülle. Wollen wir eine Störung, die sich nun bereits im Körper als Krank­heit zeigt, beheben, müssen wir den Weg zu den feineren Energieebenen zurückverfolgen, wo das Ungleich­gewicht begonnen hat. Andernfalls kurieren wir nur die Symptome, nicht aber die Ursache.  Dieses Zurückver­folgen ist die ei­gentliche Yogaübung.
Yoga bedeutet Harmonie. Was wir jedoch in der Yogaübung anstreben, ist zuerst einmal die Trennung, die diffe­renzierte Wahrnehmung der verschie­denen Energieebenen.
Ein Gedanke z.B. ist materieller, also energetischer Na­tur, gehört in den Bereich von Prakriti und nicht zu Purusha, dem Prinzip des höchsten Bewusstseins. Gedanken, Gefühle und Körper dif­ferenziert voneinander wahrzuneh­men, ist also ein Tren­nungsakt, ein Auseinander­nehmen der verschiede­nen Energie­ebenen.
Wir müssen mehr über uns selbst wissen, über unseren Körper, unsere Angewohnheiten, Neigungen und Abwehrmechanismen, müssen also bewußter werden. Die sich im Körper zeigende Krankheit – vielleicht eine schwere Krankheit – ist womöglich nur eine leichte Unausgewogenheit auf den feineren Energieebenen. Da aber alles miteinander verwoben ist, alle Systeme des Körpers sowie Kör­per und Bewußtsein, wird sich die nicht gleich erkannte leichte Unaus­gewo­genheit auf alle Ebenen ausbrei­ten und verstärken.

* Zu 2.: Der Kosmos sowie der Mensch bauen sich aus verschiedenen Elementen auf.

In Samkhya und Ayurveda wird von 24 Elementen gesprochen, aus denen sich der Mensch und die Welt zu­sammen­setzen. Für mein Modell sind im be­sonderen die fünf Elemente, Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther von Bedeutung.
Die fünf Elemente bringen sich in all unseren Lebensabläufen zum Aus­druck, im Körperlichen, in unseren Gedanken und Gefühlen, in Verhal­tensweisen. Obwohl wir laut Yoga alle aus diesen fünf Elementen zusam­mengesetzt sind, sind wir doch alle irgendwie unterschiedlich, weil die Gewichtung der Elemente in jedem von uns etwas anders geartet ist. Un­ser ureigenes Grundmuster bringen wir bei der Ge­burt mit, und das wird als die individuelle Natur oder Prakriti be­zeichnet.
„Zu sich selbst zurückfinden“ oder „seiner Natur entsprechend leben“ ist das Wieder finden des Grundmusters. Bei dem einen ist das vielleicht eine Dominanz des feurigen Elements, bei anderen Wind/Luft oder Erde oder Wasser oder Äther. Die uns eigene Konstitution müssen wir herausfin­den, wenn wir gesund und glücklich leben wollen oder, um eine Stö­rung zu beseitigen. Es erfordert etwas Zeit und Übung, ist aber Vor­aussetzung, wenn wir aus yogischer Sicht eine Krankheit verstehen und beheben wollen.
Prakriti, die Urnatur, bringt sich so­wohl im Makrokosmos wie im Mikro­kosmos durch drei unterschiedliche Eigenschaften, den Gunas, zum Aus­druck: Tamas – die Trägheit, Rajas – Bewegung, Aufruhr, Agitation, Sattva – Ausgegli­chenheit, Reinheit und Klarheit.
Während die Gunas eher die Eigen­schaften des gesamten Entwicklungs­verlaufs zum Ausdruck bringen – der kristallenen Klarheit des Sattwischen, über Rajas, dem verzweifelten Ver­such, die Einheit herzustellen, bis zu völliger Verdichtung und damit totaler Umhüllung des Selbst des Tamasi­schen – spielen die Doshas mehr auf der Ebene der dichte­sten Hülle eine Rolle. Diese Hülle – Annamayakosha – ist jedoch mit allen anderen wie durch ein (unsichtbares) Netz verbunden.
Eng verbunden mit den oben genann­ten Gunas wird die menschliche Natur in drei Grundtypen eingeteilt, die in Sanskrit Vata, Pitta und Kapha ge­nannt werden. In Vata bringen sich die Elemente Luft und Raum zum Ausdruck, in Pitta sind es die Elemen­te Feuer und Wasser und in Kapha die Elemente Wasser und Erde. In jedem von uns sind alle drei Grundtypen vorhanden, mei­stens ist jedoch einer oder zwei stärker ausge­prägt. Krank­heiten treten dann auf, wenn eine Stö­rung in unserem eigenen Grundmuster der drei Doshas auftaucht. Dishar­monie entsteht, wenn eine schon vor­han­dene Dominanz durch die Le­bens­weise und durch Unwissenheit noch verstärkt wird.
Die Elemente Feuer/Wasser steuern als Pitta unseren gesamten Stoffwech­sel. Luft und Äther als Vata steuern alle Bewegungsabläufe. Was­ser und Erde als Kapha geben Form und Struktur.
Schon im Äußerlichen lassen sich Dominanzen feststellen, am Körper­bau, der Haut, den Haaren, den Au­gen, der Art der Bewegung. Menschen mit einer Vata-Konstitution haben viel vom Luftelement. Luft ist schnell, leicht, sie bewegt sich schnell und ist kühl. Vata-Menschen neigen dazu, kühl und trocken zu sein, trockene Haut, trockene Nägel, trockene Haare, trockene Organe. Sie sind kreativ, spontan und schnelle Denker. Nimmt ihr schon dominantes Vata-Dosha zu, werden sie nervös, machen sich dau­ernd Sorgen, fühlen sich unsicher, haben Schmerzen aller Art. Die mei­sten Menschen heutzutage haben ei­nen starken Überschuss im Vata-Dosha.
Kapha-Typen sind genau das Gegen­teil, denn die Elemente Wasser und Erde dominieren und ihre Eigenschaf­ten sind schwer, langsam, feucht und kalt. Menschen mit einer Kapha-Konstitu­tion sind in allen Bewe­gungen und ebenso den inneren Abläufen langsam und ruhig. Steigt Kapha zu stark an (das Wässrige, Schwere nimmt zu), entstehen Krank­heiten wie Bronchitis und Asthma, Krankheiten im oberen Brustraum, oder Lethargie und Träg­heit.
Pitta-Menschen sind feurige Typen, sie haben viel Hitze in ihrem System – Menschen, die gern mitten im Winter im kalten Wasser schwimmen. Eine Erhöhung von Pitta führt zu Erre­gung, Zorn, Leberproblemen, Magen­geschwüren, allen Arten von Entzün­dungen, die Ausdruck von Hitze sind.
Vata, Pitta und Kapha haben in jedem von uns bestimmte Funktionen. Sie sind allerdings unterschiedlich stark ausgeprägt.
Dies ist eine sehr vereinfachte Zeich­nung der drei Grund-Konstitutionen, die in Ayurveda eine Rolle spielen. Lernen wir, mit diesem Muster umzu­gehen, können wir verhindern, dass Krankheiten auftauchen. Wenn sie bereits da sind, können wir mit Feinfühligkeit, Geduld und Ausdauer die verloren gegangene Harmonie wie­derherstellen.

* Zu 3.: Gleiches wird durch Gleiches verstärkt.

Durch dieses Wissen erhalten wir die Möglichkeit, regulierend einzugreifen. Dazu müs­sen wir aufmerksam wer­den für Glei­ches und Gegensätzli­ches. Indem wir etwas mit dem Glei­chen verstärken oder mit dem Gegen­sätzlichen ab­schwächen, können wir gestörte Har­monie wiederherstellen.
Um die Doshas im Gleichgewicht zu halten, muss jeder sein Leben so leben, dass es mit seiner Natur im Einklang ist.
Ein Vata-Mensch z.B. sollte sich nicht im Übermaß starkem Wind aussetzen, denn Gleiches wird durch Gleiches verstärkt und die Eigenschaften von Vata sind dem Wind entsprechend, nämlich trocken, kalt, rau, schnell und leicht.
Ein Kapha-Typ mit den Eigenschaften kalt, feucht, schwer und süß, sollte vermeiden, diese Dominanz durch seinen Lebensstil noch zu verstärken, z.B. durch kalte Speisen und Geträn­ke, Milchprodukte, Kuchen und Süßigkeiten. Sie regen dieses Dosha an, vermehren die Schleimbildung, führen zu schneller Gewichtszunah­me, Trägheit und Schwere.
Ein heißer Pitta-Typ sollte nicht stun­denlang in der Sonne liegen oder re­gelmäßig scharf gewürzte Nahrung zu sich nehmen.
Wenn wir uns unserer Natur bewusst sind, können wir selber steuern. Sind wir gesund, greifen wir meist nach genau dem Richtigen. Ist jedoch eine Stö­rung da, greifen wir meist genau nach dem Falschen.

* Zu 4.: Nahrung ist Medizin und Medizin ist Nahrung.

Wir müssen lernen, das, was wir auf­nehmen, auch zu verdauen. Verdau­ung ist hier nicht nur auf Nahrung bezogen. Als Mikrokosmos in Verbin­dung mit dem Makrokosmos nehmen wir nicht nur Nahrung auf, sondern auch Luft und Wasser, Beziehungen und Gefühle, Intellektuelles und psychische Schwingungen und auch spirituelle Dinge. Wir können viel in uns hineinlassen, können wir es aber auch wirklich aufnehmen und verdau­en? Das ist eine Schlüsselfrage. Wie viel geht zwar hinein, aber führt dann zu Verstop­fung. Nicht nur Nahrung führt zu Verstopfung, auch Gefühle, auch gedankliche Abläufe. Ideen bleiben hängen und lassen keinen Raum für neue Ideen. Festkleben an Menschen und Dingen blockiert einen freien Fluss. Verdauung des Lebens ist der Schlüssel. Wenn etwas gut verdaut ist, wurde es vorher vollkommen aufge­nommen. Alles Unverdaute ist ein Hindernis und führt zu Krankheit auf körperlicher, mentaler oder psychischer Ebene. Jede Art der Nah­rung ist also auch gleichzeitig Medi­zin, Medizin, die für jeden von uns eine unterschiedliche Wirkung hat.

* Zu 5.: Alles, was den Körper be­rührt, berührt auch das Bewußtsein mit Gedanken und Gefühlen und umgekehrt.

Jeder Gedanke, den wir denken, jedes Gefühl, jedes angenehme Erlebnis, jede Enttäuschung, jede Stress-Situation, alles hat im gleichen Maße eine Auswirkung auf den Körper. Und alles, was wir unserem Körper zufü­gen, hat eine Auswirkung auf unseren Geistesszustand. Da der Körper die dichteste Form der Energieumwand­lung ist, die sichtbare Materie, der Anfang einer Störung jedoch auf der feinsten Stufe beginnt, werden die meisten Störungen als psychoso­ma­tische Störungen betrachtet. Der Weg, die Störung zu entfernen, geht also weit über das rein Körperliche hinaus.

Das ist das Grundmodell, aus dem heraus wir nun jede x-beliebige Rich­tung einschlagen können. Jede Krankheit und Störung können wir vor diesem Hintergrund genau be­trachten und selbstregulierend eingrei­fen.

Yogis haben uns eine Vielzahl von Übungen an die Hand gegeben, Vorschläge, Yoga in unser Alltagsleben zu integrieren. Es geht dabei nicht nur um 20, 30 oder 60 Minuten am Morgen, sondern der ganze Lebensrhythmus kann von Yoga durchzogen sein. Dazu gehören:

  • Asanas
  • Pranayamas
  • Luft und Bewegung
  • die richtige Nahrung mit der richtigen Einstellung zu sich genommen
  • Reinigungen entsprechend der Konstitution
  • Ruhe und Erholungspausen
  • Entspannung
  • Meditation

Asanas dienen dazu, unsere äußere Hülle wieder durchlässiger zu machen und Staus aufzulösen.Durch Pranayama verbessern wir unsere Atmung und können den Gedankenstrom zur Ruhe bringen. Yoga Nidra verhilft zu einer tiefgreifenden Entspannung auf allen Ebenen.Die Reinigungsübungen sind besonders wichtig, um zu viel Schleim aus dem Körper zu lösen und zu entfernen, und die inneren Räume von allem Ballast frei zu machen. Durch Meditation dringen wir zum feinstofflichen Körper vor, um in Ruhe, Stille und Harmonie zu kommen. Nur in dieser Ruhe können wir auch an Ursachen herankommen, die eine Krankheit ausgelöst haben, z.B. an traumatische Erlebnisse aus der Kindheit.

Die Ernährung sollte möglichst naturnah und frisch sein. Denaturierte Nahrung ist der Natur entfremdet und uns generell nicht zuträglich. Eine große Bedeutung haben Gewürze, die nach yogischer Vorstellung und in der Ayurveda-Küche weniger ein Gaumenreiz sind, als mehr Verdauungshilfen und Medizin.
Auch Düfte, Klänge und Farben haben große Kraft. Sie können Wohlbefin­den hervorrufen und Disharmonie ausgleichen, aber auch genauso Dissonanz auslösen.
Um Vata, Pitta und Kapha im Gleichgewicht zu halten, sollten wir über ihre Eigenschaften und Geschmacksrichtungen Bescheid wissen und unsere Konstitution kennen.
Mit dem Wissen über die Doshas können wir die verschiedenen Yogaübungen individuell einsetzen. Die folgenden Beispiele können nur Anregung sein:

Ist Vata zu stark, kann Yoga Nidra beruhigen. Auch die Pawanmuktasanas reduzieren Vata (Pawan = Wind, Mukta = befreien). Warm, schwer, ölig, süß, salzig – das sind die gegensätzlichen Eigenschaften von Vata, die zu einer Reduzierung von Vata führen. Ein warmes Getränk oder Suppe, beruhigende Musik, ein geregelter Tageslauf – das könnte u.a. eine Vata-Überstei­gerung ausgleichen.
Überhöhtes Pitta kann durch Laghu Shankhaprakshalana, eine kalte Du­sche und entsprechende Ernährung reduziert werden. Scharf gewürzte Speisen und Getränke, hitzige Dis­kussionen, Sonnenbäder, Sauna – das alles würde das Gegenteil bewirken, also Pitta ansteigen lassen.
Gerät Kapha aus den Fugen, ist Kunjal-Kriya eine große Hilfe, auch Surya Namaskara und anregende Pranayamas wie Bhastrika Pranaya­ma, um aus Trägheit und Lethargie herauszukommen. Hier ist scharf gewürztes Essen genau richtig und ein Gang in die Sauna ebenfalls, weil Kapha durch das Ansteigen von Pitta reduziert wird.
Meditation ist eine der wichtigsten Hilfen, um ein ausgeglichenes und harmonisches Leben zu führen und auch, um eine gesundheitliche Störung zu beheben. Sie sollte jeden Tag abschließen.
Wie Vata, Pitta und Kapha jeweils angeregt oder aber gedämpft werden können, zeigt die folgende Tabelle. Es lässt sich daraus ersehen, wie kleine Dinge eine große Wirkung haben können, immer in positive wie in negative Richtung. Es zeigt uns auch, dass etwas, was für den einen heilende Medizin ist, für den anderen tödliches Gift sein kann.
Agni – das Feuer – ist für unser Wohl­befinden lebensnotwendig. Ein Feuer kann gut brennen, es kann zu schwach sein und schwelen oder durch falsches Brennmaterial und Feuchtigkeit rauchen und qualmen. Je nachdem, wie wir unser Lebensfeuer – Agni – schüren, ist unser Leben durchdrungen von einer klaren Richtung, ist voller Vitalität und frei von Krankheit, oder aber wir leben ein Leben ohne Kraft, ohne Energie, ohne Ausdauer, ohne Ausstrahlung, ohne Feuer.
Wir selbst sind für unser Leben verantwortlich, niemand kann uns das abnehmen. Gesundheit und Freude sind unser Geburtsrecht.

Vata-reduzierend: salzig, süß, sauer, schwer, ölig, heiß
Pitta-reduzierend: bitter, süß, herb, kalt, schwer, trocken
Kapha-reduzierend: scharf, bitter, herb leicht, trocken, heiß
Vata-vermehrend: scharf, bitter, herb leicht, trocken, kalt
Pitta-vermehrend: sauer, salzig, scharf heiß, leicht, ölig
Kapha-vermehrend: süß, sauer, salzig schwer, ölig, kalt

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